Bericht von HV der MMC-AG am 24.8.2001
(Heidenheimer-Zeitung)

Einem friedliebenden Aktionärsvertreter, welcher Brücken zwischen den betrogenen Aktionären und dem Vorstand und Aufsichtsrat der MMC AG schlagen wollte, entsprang nach mehreren konstruktiven Vorschlägen der emotionsgeladene Ausdruck "nach arroganter Gutsherrenmanier". Ich persönlich glaube, daß nicht einer der anwesenden Streubesitzaktionäre anders gedacht hat. Einzige Reaktion des Aufsichtsrates: Androhung, den Saal verlassen zu müssen.

Daß man nicht einmal für die 50 bis 60 anwesenden Aktionäre, Vertreter und Gäste die Zeche aufbringen konnte, ist schon ein Armutszeugnis und belegt die Professionalität dieses (leider unseres) Vorstandes und Aufsichtsrates, aber für 5 Bodyguards reichte unser beworbenes Aktionärs-Geld.

Mit diktatorischer Gelassenheit wurde die HV durchgezogen immer in dem Bewustsein, 500.000 Stimmen = 67 % des Grundkapitals im Rücken zu haben. Was sich auf dieser HV abspielte, war eine Enteignung der Kleinaktionäre, welche immerhin beinahe 80% der gesamten Einlagen der MMC zur Verfügung stellten. Ich kann nur alle Streubesitzaktionäre dazu ermuntern, sich einer Sammelklage des anwesenden Rechtsanwaltes Dr. Götz anzuschließen, um diesen Machenschaften ein Ende zu setzen. Dr. Götz sieht sehr gute Chancen, wegen Emissionsprospektbetruges des Vorstandes privatrechtliche Schadenersatzansprüche durchzubringen. Familie Reich haftet dann nicht nur mit Einlagegeldern sondern mit Ihrem gesamten Privatvermögen, das nicht unbeträchtlich sein soll.


 

25. August 2001
Heidenheimer Stadtnachrichten
(Heidenheimer Zeitung )

Hauptversammlung geriet zum Eklat:
Nach "arroganter Gutsherrenart"
Familie Reich diktiert Geschicke der "MMC Embedded Internet Technology AG" nach Belieben

Die erste ordentliche Hauptversammlung der im Februar 2000 gegründeten "MMC Embedded Internet Technology AG", die gestern in der Schlossgaststätte Hennenest stattfand, wird wohl nicht nur wegen ihrer fast neunstündigen Dauer in die Annalen der deutschen Aktionärsversammlungen eingehen, sondern auch deshalb, weil sie ein negatives Musterbeispiel an durch Familienzwistigkeiten ausgelöste Unkultur, ja bisweilen Machtmissbrauch war.

Unmut löste dabei schon die eingangs vom Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Reich sen. mitgeteilte Nachricht aus, dass die etwa 80 - von insgesamt rund 2000 - erschienenen Aktionäre ihren Verzehr selber tragen müssten, weil die AG Verluste eingefahren habe.

Sein Sohn, MMC-Finanzvorstand Wolfgang Reich jun., sprach von einem "miserablen" und "absolut beschämenden" Ergebnis - im Rumpfjahr 2000 habe man einen Verlust von 870 000 Euro gehabt, im ersten Halbjahr 2001 schon wieder ein Minus von 250 000 Euro - und als Verantwortlichen dafür machte er seinen Onkel, den seit Ende Juni abberufenen zweiten Vorstand Michael Benz aus, der die Gesellschafter "belogen und betrogen" und nur durch "Unfähigkeit und Untätigkeit" geglänzt habe.
Der Ton, den der 22-Jährige, der im vergangenen Herbst ein Jura-Studium schon nach wenigen Wochen wieder aufgegeben hatte und seither als Ungelernter die finanziellen Geschicke des Unternehmens bestimmt ("nicht die Ausbildung ist wichtig, sondern das Geldverdienen"), dabei an den Tag legte, hatte freilich auf einer kultivierten Hauptversammlung nichts zu suchen: "Was spielst Du Dich hier so auf" und "Du gehörst doch hinter Gitter" herrschte der junge Mann seinen 30 Jahre älteren früheren Partner an. Und dass sein gegen Benz erhobener Vorwurf, 4,8 Millionen Mark unterschlagen zu wollen, von der Staatsanwaltschaft inzwischen nicht mehr verfolgt wird, rang Reich junior noch nicht einmal eine Entschuldigung ab.
Wie pikant die Familiengeschichte tatsächlich ist, erfuhren viele Kleinaktionäre freilich erst Zug um Zug im Verlauf der Versammlung: Mutter Reich - die ebenfalls Mitglied des dreiköpfigen Aufsichtsrates ist - erschien nämlich erst gar nicht, weil sie sich nicht mehr mit ihrem Bruder (eben Michael Benz) an einen Tisch sitzen wolle, wie Reich junior verkündete. Und der andere Bruder, Wilhelm Benz, war Ende Mai als Aufsichtsratsvorsitzender ausgeschieden - sein Nachfolger: Reich senior.
Was tatsächlich in der Familie abgelaufen war, kam gestern nicht ans Tageslicht - fest steht indes, dass Michael Benz vor seinem Engagement bei MMC ("MultiMedia-Control" bzw. -Computer) sechs Jahre lang sehr erfolgreich in eben dieser Branche als Geschäftsführer tätig war und nun sein Know-how einbringen sollte, um MMC-Produkte im Hochtechnologiesektor ("Embedded Internet Technology") auf den Markt zu bringen und zu vertreiben. Dies freilich gelang nicht in dem noch vor Jahresfrist prognostizierten Maß. Wie die Familie Reich darauf reagierte, das ließ viele Kleinaktionäre gestern indes mit den Zähnen knirschen und den folgenden Abstimmungsmarathon nur noch widerwillig ertragen: Dank des dicken Mehrheitspaketes an MMC-Aktien von Manfred-Michael Reich, dem Bruder von Wolfgang Reich jun., krempelte die Familie in "arroganter Gutsherrenmanier" (so formulierte es ein Minderheitensprecher) die Firmenstruktur radikal um - sogar die Firma selbst wird nun in VCI (= Venture Capital und Immobilien) AG umbenannt.
Ohne den technischen Kopf (Michael Benz) soll der Hochtechnologiesektor nur noch auf Sparflamme in einer Tochterfirma (EWS - Embedded Web Solucion AG) mit einem Grundkapital von 50 000 Euro weitergeführt werden. Weit wichtiger werden nun die Geschäftszweige Immobilien (spezialisiert auf Zwangsversteigerungen), für die das Tochterunternehmen "Aquileia Capital und Immobilien AG" (Grundkapital: 600 000 Euro) zuständig ist, sowie die "Begleitung" anderer Unternehmen beim Gang an die Börse sein - das entsprechende Tochterunternehmen "VAP - Vorbörsliche Aktien-Plattform.de AG" ist ebenso schon gegründet wie die beiden anderen Untergliederungen (vorgesehenes Grundkapital: 750 000 Euro). Und das nötige Kleingeld dafür wollen die Reichs durch einen weitere Aufstockung des Grundkapitals durch die Ausgabe von 750 000 neuen Aktien ... ein Euro hereinholen - dies ist eine Verdoppelung des bisherigen Grundkapitals. Was die Kleinanleger dabei so sehr auf die Palme brachte, war zweierlei: Zum einen, dass sie Mitte letzten Jahres bewusst ihr Geld in ein vermeintlich zukunftsträchtiges Unternehmen der Hochtechnologie angelegt hatten - und nun werde daraus gegen ihren Willen einfach ein "Gemischtwarenladen" gemacht ; und zum Zweiten die Art und Weise der Beschlüsse.

Dazu muss man folgendes wissen: Die Familie Reich hatte ihr Aktienpaket (500 000 Stück) Anfang 2000 zu einem Stückpreis von einem Euro erstanden, die Anleger der ersten Kapitalaufstockung (um 50 000 Aktien) zahlten bereits fünf Euro pro Aktie und die Investoren bei der zweiten Aufstockung (um 200 000 Stück) mussten bereits 14,70 Euro je Aktie berappen. Die Kleinanleger brachten somit rund 80 Prozent des Vermögens auf, hatten aber bei der Hauptversammlung nur knapp ein Drittel der Stimmen: diese wurden je Stückaktie berechnet. Und so liefen am späten Nachmittag die Abstimmungen alle nach demselben Schema ab: dafür stimmte Familie Reich mit ihren 506 720 Aktien, dagegen die knapp 95 000 Stimmen der anwesenden Streuaktionäre. Allerdings wird die gestrige Versammlung wohl noch einige Nachspiele haben: Gegen jeden Beschluss wurde vor Notar Beuerle Widerspruch zu Protokoll gegeben - damit sind nun Anfechtungsklagen möglich - und außerdem organisierten die sich "verarscht" vorkommenden Kleinanleger auch flugs noch eine Sammelklage wegen "Prospektbetruges" gegen das Unternehmen, das nun nicht mehr das ihnen versprochene Geschäftsziel verfolge.
Diesen Schritt vermochte im übrigen auch nicht zu verhindern, dass die Reichs sich durch das Engagements einer fünfköpfigen Bodyguard-Truppe offenbar vor befürchteten Handgreiflichkeiten schützen wollten - ebenfalls ein Novum bei deutschen Aktionärsversammlungen - einschüchtern ließen sich die Kleinaktionäre dadurch jedenfalls nicht.